
16. Februar 2026
Spela Hercog
Angehörige beim selben Therapeuten erlaubt?

In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, die ich anbiete, ist es nicht möglich, nahe Angehörige (z. B. Eltern, erwachsene Kinder, Partner:innen) parallel oder nacheinander bei derselben Therapeutin bzw. demselben Therapeuten zu behandeln. Das hat fachliche und therapeutische Gründe.
Schutz des therapeutischen Raums
Tiefenpsychologische Psychotherapie arbeitet mit inneren Konflikten, Beziehungserfahrungen und unbewussten Mustern. Dafür braucht es einen geschützten, eindeutig zugeordneten Raum, in dem die Patientin oder der Patient ohne Loyalitätskonflikte offen sprechen kann.
Vermeidung von Rollenkonflikten
Würde dieselbe Therapeutin mehrere Angehörige behandeln, entstünden zwangsläufig innere Rollenkonflikte:
Was weiß ich aus einer anderen Therapie?
Wem gilt meine therapeutische Verantwortung?
Solche Überschneidungen würden die therapeutische Neutralität gefährden.
Übertragung und Gegenübertragung
Ein zentraler Bestandteil tiefenpsychologischer Arbeit ist die sogenannte Übertragung – also das Erleben früher Beziehungserfahrungen in der therapeutischen Beziehung. Diese Prozesse können nur dann sinnvoll verstanden und bearbeitet werden, wenn keine realen familiären Beziehungen den therapeutischen Raum vermischen.
Abgrenzung ist Teil der Therapie
Gerade für Menschen aus engen oder belasteten Beziehungssystemen ist es oft heilsam, eine eigene, unabhängige therapeutische Beziehung zu haben. Die klare Trennung dient damit dem therapeutischen Fortschritt.
Unterschied zu anderen Therapieverfahren
In anderen psychotherapeutischen Methoden, z. B. der Verhaltenstherapie, Kognitiver Verhaltenstherpie oder der systemischen Therapie, sind gemeinsame Gespräche oder die Behandlung mehrerer Familienmitglieder durch denselben Therapeuten unter bestimmten Rahmenbedingungen möglich und sogar Teil des Konzepts.
