Portrait Spela Hercog - Praxis für Psychotherapie in Landshut

11. Mai 2026

Spela Hercog

Zurückhaltung bei Tiefenpsychologen

Zurückhaltung bei Tiefenpsychologen

Viele Patient:innen erleben Therapeut:innen in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie als ruhig, aufmerksam und eher zurückhaltend. Diese Haltung kann zunächst irritieren – besonders für Menschen, die sich klare Ratschläge oder schnelle Lösungen wünschen. Die Zurückhaltung ist jedoch kein Desinteresse, sondern ein zentraler Bestandteil dieses therapeutischen Verfahrens.

Raum für innere Prozesse schaffen

Tiefenpsychologische Psychotherapie zielt darauf ab, unbewusste Konflikte, Gefühle und Beziehungsmuster sichtbar zu machen. Damit diese inneren Prozesse entstehen können, braucht es Raum: Raum zum Nachdenken, Fühlen und freien Sprechen. Eine zurückhaltende therapeutische Haltung unterstützt genau das.

Weniger Steuerung – mehr Selbstwahrnehmung

Wenn Therapeut:innen stark lenken, bewerten oder häufig eingreifen, besteht die Gefahr, dass Patient:innen sich anpassen oder Erwartungen erfüllen wollen. Zurückhaltung ermöglicht es dagegen, dass eigene Gedanken, Impulse und Gefühle deutlicher wahrgenommen werden – auch solche, die sonst schnell übergangen werden.

Bedeutung von Beziehung und Übertragung

In der tiefenpsychologischen Arbeit spielt die therapeutische Beziehung eine zentrale Rolle. Gefühle, Erwartungen oder Enttäuschungen, die in der Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeuten entstehen, sind oft Hinweise auf frühere Beziehungserfahrungen. Eine nicht-vereinnahmende, zurückhaltende Haltung hilft, diese sogenannten Übertragungsprozesse zu erkennen und gemeinsam zu verstehen.

Schutz vor Abhängigkeit und Einflussnahme

Zurückhaltung dient auch dem Schutz der Autonomie der Patient:innen. Die Therapeutin gibt nicht vor, wie jemand fühlen oder handeln sollte, sondern begleitet den Prozess. Ziel ist es, dass Patient:innen eigene Einsichten entwickeln, statt Lösungen von außen zu übernehmen.

Abgrenzung zu anderen Therapieverfahren

Andere psychotherapeutische Methoden, etwa stärker verhaltenstherapeutisch, arbeiten oft direkter, strukturierter und mit klaren Handlungsempfehlungen. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie folgt einem anderen Verständnis von Veränderung: nicht primär durch Anleitung, sondern durch Verstehen innerer Zusammenhänge.

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